Nikolaus Heyduck “Schwarm” (2011) UA Ein Konzert, bei dem die Klänge ausschließlich durch Lautsprecher erklingen, ist auch heute noch ungewöhnlich. Dabei hat Musik, die allein mit Mikrofonaufnahmen und deren Bearbeitung durch Kopieren, Schnitt und Schichtung im Studio entsteht, Tradition. Deren Beginn lässt sich datieren auf das Jahr 1949, als Pierre Schaeffer dafür den Begriff der “musique concrète” prägte. “Akusmatik” meint ähnliches bei erweiterter Stilvielfalt. “Elektroakustische Musik” ist die heute gängigste Sammelbezeichnung, um originäre Werke für Lautsprecher zu kennzeichnen. Die Darmstädter Komponistin Barbara Heller hat parallel zu Ihren Instrumentalkompositionen immer wieder auch elektroakustische Werke geschaffen. Mit Tonbandgeräten und Kassettenrecordern entstanden Klangkollagen für Ausstellungen, künstlerische Installationen, Tanztheater und Film. Nikolaus Heyduck (den seit 1988 projektbezogene Zusammenarbeiten mit Barbara Heller verbinden) überlagert im heutigen Konzert Auszüge aus drei dieser Kompositionen live am Mischpult zu “Klangbändern” in quadrofoner Wiedergabe. Die auf diese Weise teilweise simultan erklingenden Stücke sind folgende: “Klang-Zeichen”, 1993 entstanden für die Ausstellung “The Language of Goddess” der Archäologin Marija Gimbutas (Wiesbaden, 27.6.1993-31.3.1995); “Hörstationen”, eine Klanginstallation mit Aufnahmen von Gegenständen aus Holz, Bambus, Glas, Metall und Stein (Institut Mathildenhöhe, 1994) sowie “Stein auf Stein”, wobei ein mit Kontaktmikrofonen bestückter Ziegelstein mit flachen Natursteinen und kreisenden Bewegungen zum Klingen gebracht wurde (uraufgeführt 1995 in Tokyo beim von Thomas Gerwin kuratierten “Sound-Electro-Media-Symposium”). Michael Harenberg, der den “Klang-Zeichen” einen synthetisch erzeugten Bordun-Klang beisteuerte, schreibt über die Arbeitsweise der Komponistin in jener Zeit: “Für sie waren Klänge aller Art eine zentrale Quelle jeglichen Nachdenkens über Musik. Gemeinsam waren uns die Idee einer strukturidentischen Klangkomposition und die Arbeitsweise, über Experimente und vor allem über das Hören zu neuen kompositorischen Möglichkeiten und Ideen zu gelangen”. Barbara Heller, 1936 in Ludwigshafen am Rhein geboren, studierte Musik in Mannheim und München; unter anderem Komposition bei Hans Vogt, Harald Genzmer und M. Lavagnino. Sie war Stipendiatin der Accademia Chigiana Siena in Italien und der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt, wo sie seit 1963 als freiberufliche Komponistin und Pianistin tätig ist. Ihr Hauptinteresse gilt der Klaviermusik sowie kleineren Intrumentalbesetzungen. Seit 1988 kommen grafische Improvisations- und Kompositionskonzepte sowie elektroakustische Arbeiten hinzu. Monika Golla (*1966) studierte an der J.W. Goethe Universität Frankfurt sowie der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Nikolaus Heyduck (*1957) studierte an der Städelschule Frankfurt sowie bei Toni Völker an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Die interdisziplinäre Arbeitsweise der beiden Klangkünstler sucht im unbeachtet Profanen das Besondere. Golla & Heyduck erarbeiten ortsbezogene Installationen mit elektroakustischen Klängen und stehen mit Live-Improvisationen und Soundperformances auf der Bühne. Gemeinsam wurden sie 2010 für den Deutschen Klangkunstpreis nominiert.





