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Martha von Sabinin
* 30.05.1831

Martha (von) Sabinin (russisch: Marfa Stepanowna Sabinina, 1831–1892) wurde in Dänemark geboren, wuchs in Deutschland auf, war in der europäischen Kultur sozialisiert, verbrachte ihr halbes Leben in Russland und starb auf der Krim. Musik bestimmte die erste Hälfte ihres Lebens, der Dienst am Nächsten die zweite, und zwischen den Eckpfeilern Weimar und Odessa entfaltete sich ihre facettenreiche und ungewöhnliche Biographie.

Als fünftes von insgesamt 12 Kindern wuchs das Mädchen in einem Haushalt auf, in dem der fehlende materielle Wohlstand durch geistigen Reichtum aufgewogen wurde. Ihr Vater, Stepan Karpowitsch Sabinin (1789–1863), war als russisch-orthodoxer Geistlicher nicht nur Beichtvater der nach Weimar verheirateten Zarentochter Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar-Eisenach (1786–1859), sondern als Theologe, Historiker, polyglotter Sprachwissen-schaftler und Mitglied der dänischen und der russischen Altertumsgesellschaft auch ein wichtiger Vermittler zwischen Ost und West. Gemeinsam mit seiner Frau, Alexandra Timofejewna geb. Weschtscheserowa (1807–1882), die in den Bereichen Malerei, Klavierspiel und Literaturübersetzungen aktiv war, führte er im Zentrum von Weimar ein gastfreies Haus. Dort wuchsen die Kinder in einem vielfältigen und kulturell aufgeschlossenen Umfeld auf, in dem Interessen und Neigungen individuell gefördert und musische Begabungen unterstützt wurden. Martha Sabinin nutzte die mannigfachen Anregungen, die das kulturelle Weimar ihr bot: Unterricht an der von Goethe gegründeten Malschule, Gesangsunterricht bei den Tenören Heinrich Theodor Knaust (1805–1865) und Franz Götze (1814–1888), Mitwirkung im Singverein, an eigenen und fremden Musikabenden und an Soireen bei Hofe, vor allem aber Klavier- und Theorieunterricht bei Gustav Kellner (1809–1849) und dem Hummel-Schüler Johann Gottlob Töpfer (1791–1870) gaben ihr eine vielseitige musische Grundausbildung, die sich bald in Richtung des Klaviers vertiefte: 1850 reiste die 19-Jährige nach Leipzig und Düsseldorf, um dort bei Clara Schumann und bei Robert Schumanns Assistenten Julius Tausch (1827–1895) Stunden zu nehmen. In Weimar bot Franz Liszt ihr 1853 an, bei ihm und seinem Schüler Peter Cornelius (1824–1874) Unterricht zu erhalten. Parallel dazu gab sie selbst Klavierstunden, sowohl privat als auch am Weimarer Sophien-Stift (einem Institut für adelige junge Mädchen), und war zudem als Klavierlehrerin am Weimarer Hof tätig, wo sie den Titel einer Weimarer Hofpianistin erhielt. Erste Konzerte in Deutschland und Russland zeigten, dass Martha Sabinin zielstrebig auf eine Laufbahn als professionelle Musikerin hinarbeitete. Ihre Verbindung zum höchsten Adel eröffneten ihr sodann ein anderes, gewissermaßen zweites Leben: 1860 wurde sie für acht Jahre als Musiklehrerin und Erzieherin an den St. Petersburger Zarenhof berufen. So groß diese Ehre auch war – die Tätigkeit für das russische Herrscherhaus bedeutete das Ende ihrer öffentlichen Konzerte, denn als Hofdame durfte sie keinen Beruf ausüben. An die Stelle des Künstlerischen rückten fortan das religiöse, karitative und soziale Engagement: Von 1866 bis 1868 setzte Sabinin sich an der Seite der Zarin Maria Alexandrowna (1824–1880) für die Gründung einer russischen Sektion des Roten Kreuzes ein und trat 1868 dem von ihrer Herrscherin gegründeten Orden der Schwestern der Barmherzigkeit bei. Während des Deutsch-Französischen Kriegs entsandte die Zarin sie 1870/71 in die betroffenen Gebiete, schickte sie 1876 zur Errichtung eines Feldlazaretts nach Belgrad sowie während des Russisch-Türkischen Kriegs 1877/78 nach Rumänien, wo Martha Sabinin Spitäler und Ambulanzen betreute, sich in der freiwilligen Kriegskrankenpflege betätigte und insgesamt sechs Orden erhielt. Rückzugsort wurde das Landgut ihrer Freundin Baronin Maria Frederiks auf der Krim. Hier initiierte Martha Sabinin den Bau eines Krankenhauses und einer Kirche, stand der dazugehörigen Gemeinde vor, baute Wein an und verfasste Lebenserinnerungen, bevor sie als letztes Mitglied ihrer großen Familie 1892 an einem Schlaganfall starb.

Werke:

Acht Lieder op. 1 (1855) für eine Singstimme mit Pianoforte

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